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Kirchenburg Tartlau - Weltkulturerbe der Menschheit (UNESCO)
Tartlau

Brauchtum/Feste im Jahresablauf

Diese beziehen sich nicht auf das Naturjahr sondern auf das Kirchenjahr, das am 1. Advent beginnt und mit dem Totensonntag endet.

Advent/Adventszeit

Am 1. Advent hält der Adventskranz mit vier großen Kerzen Einzug ins Gotteshaus. An jedem der vier Adventssonntage wird eine Kerze angezündet. Sie weisen auf den hin, der von sich sagte: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8,12“

Die Adventszeit ist eine besinnliche Zeit, in der sich alle auf Weihnachten vorbereiten.

Der Heilige Abend wird vor allem von den Kindern ungeduldig herbeigesehnt. Der Pfarrer bereitet die Feier dieses mit den Kindern im Unterricht und im Gottesdienst vor. Vorgetragen werden sollen Gedichte, Lieder und von den Konfirmanden ein Krippenspiel.

Des weiteren probt der Kirchenchor (gemischte Chor) Lieder, die am Heiligen Abend im Wechsel mit den Kinderbeiträgen erfolgen.

Auch die Blaskapelle probt für ihren Einsatz.

In der Adventszeit werden die Päckchen für die Bescherung der Kinder, alten und kranken Gemeindeglieder durch Pfarrfrau und Ausschussfrauen vorbereitet.

Am 1. Advent beginnen die Vorbereitungen mit dem Zusammenkommen der 24 Ausschussfrauen im Pfarrhaus. Es ist ein gemütlicher Nachmittag, der mit einer Andacht durch den Pfarrer begonnen und das Organisatorische besprochen wird: was, wann, wo gebacken wird, bis wann die Backzutaten eingesammelt werden,... Aufgabe der Ausschussfrauen ist es , in der jeweiligen Nachbarschaft von Haus zu Haus zu gehen und Zutaten wie Mehl, Zucker, Butter, Fett sowie Geldspenden entgegenzunehmen.

Hauptbestandteil der Päckchen waren die Honigbusserl und ein verzierter Weihnachtsstern. Von den Geldspenden wurden Süßigkeiten, Orangen, Hefte, Bleistifte, Taschentücher gekauft.

In den 80ger Jahren erfolgte die Unterstützung durch die 9. Tartlauer Nachbarschaft, die in schweren Zeiten eine großzügige Weihnachtsbescherung ermöglichte. Es trafen rechtzeitig Pakete mit Backzutaten, Süßigkeiten und auch Geldspenden ein.

Am 2. Advent erfolgte das Backen der Busserl und Sterne, am Vorabend wurde der Teig dafür zubereitet. Gebacken wurde anfangs in der Bäckerei Kurmes, Äschergasse, danach in der Bäckerei Tupea, Langgasse. Die Körbe mit Gebäck wurden anschließend ins Pfarrhaus gebracht, die Sterne verziert und dann wurden noch vor dem 3. Advent 260-280 Päckchen gepackt. Am Heiligen Abend wurden die vorbereiteten Päckchen von den Ausschussfrauen in den Körben ins Gotteshaus getragen und am Ende des Gottesdienstes an die anwesenden Kinder verteilt. Später wurden auch Chormitglieder und die Bläser beschert.

Den Alten und Kranken brachten die Ausschussfrauen schon im Vorfeld die Päckchen nach Hause, was bei diesen große Freude und Dankbarkeit auslöste.

Heiliger Abend/Weihnachten

Am Heiligen Abend leuchtet das wachsende Licht der Adventszeit noch stärker durch die vielen Kerzen am Christbaum. Dieser wird von den Vertretern des Presbyteriums aufgestellt und am Vortag durch die Konfirmanden geschmückt.

Der Christbaum wurde in Siebenbürgen in den Jahren 1850-1860 eingeführt, anfangs nur im Gotteshaus aufgestellt, geschmückt und angezündet, später auch in den Familien.

Die Feier verläuft so, dass sich Lieder und Gedichte der Kinder mit Liedern gesungen vom Kirchenchor abwechseln.

Die Verkündung des Pfarrers erfolgt von der Kanzel, das Vaterunser wird gemeinsam gebetet und der Segen erteilt. Den Abschluss des Gottesdienstes bildet das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen von der anwesenden Gemeinde und begleitet von Orgel und Blasmusik.

Anschließend findet die Christbescherung der Kinder (ab 1 Jahr) durch Pfarrfrau und die Ausschussfrauen statt. Außerdem erhalten noch die Alten und Kranken, die Ausschussfrauen, später Kirchenchormitglieder und Bläser ein Päckchen. Wurde unter Advent/Adventszeit weiter oben beschrieben.

Am 1. Christtag findet um 10°° Uhr Gottesdienst statt, mit Orgelspiel, Gemeindegesang, Predigt, Kirchenchor.

Auch am 2. Christtag, der meist ein Arbeitstag im sozialistischen Rumänien ist, kommen viele zum Gottesdienst.

Von diesen Feiertagen geht eine Kraft aus und stärkt die Menschen in ihrem Alltag.

Altjahrsabend/Sylvester/Neujahr

Es findet um 19°° Uhr der Altjahrsgottesdienst statt, der sich von der Abfolge nicht von einem gewöhnlichen Gottesdienst unterscheidet.

In der Sylvesternacht läuten 0°° Uhr die Kirchenglocken und läuten das neue Jahr ein. Auch die Blaskapelle versammelt sich im Gemeindezentrum, nahe der Kirchenburg und spielt Lieder schon kurz vor Mitternacht (das alte Jahr wird verabschiedet) bis nach Mitternacht (das neue begrüßt).

Fastenzeit und Karwoche (Gründonnerstag, Karfreitag)

In der Leidens- und Fastenzeit finden keine öffentlichen Veranstaltungen statt. Die Gemeinde respektiert diese ungeschriebenen Gesetze.

Konfirmation

Die Konfirmation, ein besonders schönes Gemeindefest, findet am Palmsonntag statt, am Vorabend die Prüfung der Konfirmanden. (wurde oben bei Brauchtum/Feste im Lebenslauf beschrieben)

Ostersonntag/Ostermontag

Es sind sehr festliche Gottesdienste, die durch den Kirchenchor mitgestaltet werden.

Ostern hat uns das Leben schlechthin gebracht: Christus ist zu unvergänglichem Leben auferstanden.

Muttertag

Muttertag wurde am 2. Sonntag im Mai gefeiert. Jede Mutter erhält im Gottesdienst eine Blume, die von den Konfirmanden auf die Bänke gelegt wurden. Frauen, deren Kinder im abgelaufenen Jahr getauft wurden, erhielten auf Stühlen vor dem Hauptschiff einen Ehrenplatz.

Pfingsten

Auch das Pfingstfest wird durch einen erhebenden Gottesdienst gefeiert, an dem der Kirchenchor mitwirkte.

Erntedank

An Erntedank wird der Altarraum mit Früchten des Feldes und des Gartens geschmückt, Kinder und Konfirmanden tragen diese zusammen und schmücken das Gotteshaus festlich . Auch ein großes Hausbrot wird auf dem Altar ausgelegt.

Es wird Gott für die Ernte und für unser täglich Brot gedankt.

Reformationstag

Reformationstag wird am 31.Oktober gefeiert, falls er auf einen Arbeitstag fällt, findet der Gottesdienst nur abends statt. Luthers Schutz- und Trutzlied „Eine feste Burg ist unser Gott“ darf an diesem Tag nicht fehlen. Im Gottesdienst wird des großen Erbes Luthers gedacht.

Totensonntag

Mit dem Totensonntag schließt sich der Kreis des Kirchenjahres. Im Gottesdienst spielt die Blaskapelle Trauermärsche und der Kirchenchor singt Lieder. Nach der Predigt wird der Verstorbenen im abgelaufenen Kirchenjahr gedacht.

Am Nachmittag versammelt sich die Gemeinde auf dem Friedhof, nach einer Ansprache des Pfarrers singt der Kirchenchor Lieder und die Blaskapelle spielt Trauermärsche. Anschließend begeben sich die Anwesenden zu ihren Gräbern und Gruften. Die Heldengräber werden von der Pfarrfrau und den Ausschussfrauen gereinigt und mit Blumen geschmückt.

Es ist schwierig die vielen Sitten und Bräuche vollständig zu beschreiben, da diese nichts Starres und Totes sind, sich im Laufe der Jahre verändern können und jeder sie mit kleinen Unterschieden beschreiben wird.

Autor: Kordula E. OrendiErstellungsdatum: 30. Juni. 2008